Living Postcards – Die vielen Seiten griechischer Produktivität

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht – besonders dann, wenn etwas, das einmal als Krise angefangen hat, langsam aber sicher zum Alltag wird. In Griechenland führt dies vor allem dazu, dass sowohl im In- als auch im Ausland das bereits bestehende Potential des Landes konsequent übersehen wird. Das Internetportal living-postcards.com hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit diesem fatalen Trend zu brechen. Ohne dabei ein eigenes finanzielles Interesse zu verfolgen, werden Ideen präsentiert, die der Krise den so dringend benötigten positiven Ausblick entgegensetzen.

Illiada

“Change is life” sagt Iliada Evangelia Kothra, Initiatorin von living-postcards.com

Iliada Evangelia Kothra ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie hat es sich – mitten in der Krise – zur Aufgabe gemacht, ihr Land zu erkunden und all die guten Ideen, Orte, Geschäfte und Unternehmen ausfindig zu machen, die Griechenland trotz der misslichen Situation zu bieten hat. Es geht dabei weniger um PR oder Werbung als darum, ein neues Licht auf die Situation zu werfen. Auf dem Internetportal living-postcards.com können Griechen und Nicht-Griechen sich davon überzeugen, dass das Land nicht nur aus faulen Kaffeetrinkern besteht und dass es neben den zweifelsohne existierenden Problemen mit Politik und Korruption auch zukunftsweisende Ansätze gibt.

Jeder, der sich von dieser Idee angesprochen fühlt, ist dazu eingeladen, Iliada und ihren Mitarbeitern einen Vorschlag zu schicken, der dann auf der Webseite veröffentlicht wird. Die Resonanz ist so hoch, dass das Team mit der Arbeit kaum hinterherkommt. Die Kategorien variieren von „Broke Greek Mountain,“ wo die im Ausland oftmals völlig unbekannte Welt der griechischen Gebirge präsentiert wird, über „Blue is aweseome,“ in der sich alles ums Meer dreht, bis hin zu „Food is pleasure,“ „Art is life“ oder „People.“ Vorgestellt werden hochwertige Hotels und Restaurants, Museen, Galerien, Persönlichkeiten, einzigartige Orte, Design, Mode etc. Unter den Rubriken „More than Bouzouki“ und „Happens now“ erfährt man überdies von Veranstaltungen, Konzerten und Ausstellungen.

Kleine Ideen gegen die große Krise

Die durch die Krise verschärfte Fokussierung auf Banken und Großunternehmen hat dazu geführt, die Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen für den so dringend herbeigesehnten wirtschaftlichen Aufschwung zu unterschätzen. Dabei sind vor allem diese seit jeher das Rückgrat der hellenischen Wirtschaft und geraten mit Blick auf die korrupten Machenschaften von Großkonzernen und deren Verwicklung mit dem politischen Apparat im Zuge der Krisenpolitik beinahe in Vergessenheit. Zum anderen herrscht durch die Krise ein genereller Pessimismus vor, wodurch viele Griechen die Möglichkeit zu einer Verbesserung der Lage vor allem im Ausland oder in Form ausländischer Investitionen sehen. Dass eine nachhaltige Lösung für die Probleme der Krise jedoch ohne klein- und mittelständische Unternehmen im Land selbst nicht denkbar ist, wird auch in der Politik viel zu selten in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt.

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Die Produkte von “Ta Mylelia” stammen aus eigener Herstellung.

Und in der Tat: Griechenland wartet auf mit zahlreichen wettbewerbsfähigen Produkten und Dienstleistungen z.B. im Tourismus- oder im Nahrungsmittelsegment, die auf living-postcards.com präsentiert werden. Man stößt dort auf Unternehmen wie „Ta Mylelia“, das in einer 350 Jahre alten Wassermühle auf Lesbos Mehl herstellt, dies zu traditionellen griechischen Pastavarianten weiterverarbeitet sowie weitere hochwertigen Feinkostprodukten anbietet. Oder das Kosmetiklabel „FISIKA,“ das kretische Öle und Kräuter zu natürlichen Pflegeprodukten weiterverarbeitet. Alles in allem ist eine Webseite entstanden, die ein breites Panorama an kleinen Lösungsbausteinen zur Schau stellt; Bausteine, die den Menschen in Griechenland Strategien aufweisen, um ihren eigenen Weg aus der Krise zu finden. Gleichzeitig wird allen Nicht-Griechen ein facettenreiches Land präsentiert, dem die aktuelle Berichterstattung zur Krise in vielen Fällen nicht gerecht wird.

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Das Label FISIKA bietet Pflegeprodukte, die in jeder Hinsicht den Ansprüchen der Nachhaltigkeit genügen.

Griechenland ist besser als sein Ruf

Der derzeit vorherrschende schlechte Ruf Griechenlands liegt auch darin begründet, dass viele bereits bestehende Unternehmen sich nicht ausreichend präsentieren. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit ist die Kaufkraft im Land ist sehr gering. Umso wichtiger ist es, Kunden von der Qualität der Produkte und der Notwendigkeit zu überzeugen, mit ihren Einkäufen kleine und mittelständische Unternehmen zu unterstützen. Oftmals aber ist es nicht leicht, Informationen im Internet zu finden. Webseiten sind nicht auf dem neuesten Stand und es mangelt an Netzwerken. Dabei geht viel Potenzial verloren. Wichtig ist es auch, Kaufkraft aus dem Ausland zu generieren, administrative Hürden abzubauen, sowie Startups von staatlicher Seite aus mit Steuerentlastungen und Beratungen zu unterstützen.

Living-postcards.com zeigt auf, was das Land ganz real zu bieten hat und macht dabei vor allem eines deutlich: Es macht  keinen Sinn auf Milliardeninvestitionen aus dem Ausland zu warten und darauf zu hoffen, dass von heute auf morgen neue Arbeitsplätze entstehen. Die Wiederbelebung einer Volkswirtschaft ist ein langer Prozess, der von den Bürgern neben der Eigeninitiative auch die richtigen Entscheidungen abverlangt. Dabei geht es um ein generelles Umdenken, das über die Grenzen Griechenlands hinausgeht: Jeder Kauf ist auch eine politische Handlung. In unserem kapitalistischen System obliegt es schlussendlich dem Verbraucher Geschäftsmodelle zu unterstützen, die stabile Wege aus der Krise aufweisen, ohne dabei dieselben Fehler zu machen, die den wirtschaftlichen Kollaps überhaupt erst verursacht haben. Vielen Menschen in Griechenland wird langsam aber sicher bewusst, dass sie die Zügel selbst in die Hand nehmen müssen. Auf living-postards.com können sie sich davon überzeugen, dass die Mühe belohnt wird.

 

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3 Antworten auf Living Postcards – Die vielen Seiten griechischer Produktivität

  1. Miriam sagt:

    Schöner Artikel! Check doch nochmal die Verlinkungen auf living-postcards.com, die führen hier auf eine nichts existierende Unterseite Deines Blogs…

  2. Conny sagt:

    Ein guter Beitrag zur Situation. Dass doch das Naheliegende immer so schwer erscheint. Wie gut, dass es immernoch Menschen gibt, die sich nichts vormachen lassen und “einfach” mal ermutigend aktiv werden. Hochachtung! !! Das bringt die Menschheit aus den Krisen! Danke auch für diesen Blog, der erfrischend andere Blickwinkel eröffnet und nicht nur Schwarz malt.

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